Das Gute Qi von Tianmeng Shan

Manchmal geschehen im Leben unerwartete Dinge, neue Wege öffnen sich, während alte sich schließen. Und ich bin ehrlich: Ich hatte eine nicht einfache Zeit, nachdem ich Ende April letzten Jahres die Schule in Weihai verlassen hatte.

Das Leben führte mich zur Kampfkunstschule Tianmeng Shan, eine sehr nette kleine Schule am Yimeng Shan. Als ich dort ankam, war alles ruhig und friedlich, kein Stress, entspannt. Die Schüler haben realtiv viel Freiheit; die Schule bietet kleine Einzelzimmer, der Kühlschrank in der Küche darf mitbenutzt werden, und der Unterricht ist weniger streng.

Die ruhige Umgebung und die netten Menschen halfen mir, wieder etwas zur Ruhe zu kommen. Doch ich musste auch neue Herausforderungen annehmen.

Training in Tianmeng Shan

Der Tag beginnt mit einer Stunde Qigong am Morgen für alle. Nach dem Frühstück folgen zwei Stunden Kung Fu oder Qigong (man kann wählen) und am Nachmittag weitere zwei Stunden Training. Man kann wieder zwischen Qigong und dem Kung-Fu-Programm wählen (Sanda, Power Training, Formen etc.). Da ich gerade Mantis gelernt habe, entschied ich mich, keinen neuen Stil zu lernen, sondern meine Formen zu wiederholen, an Details zu arbeiten, flüssiger und kraftvoller zu werden. Ich nahm jedoch am regulären Unterricht teil; das Grund-Kung-Fu-Training ähnelte dem anderer Schulen, mit etwas mehr Sprüngen. Hier wird überwiegend Meihua Quan und Shaolin gelehrt.

Mein Favorit war das Sanda-Training. Unser Shifu ist recht jung und hat viel Power. Wir machen Aufwärmübungen, Techniktraining und viel Sandsack- bzw. Pad-Training. Der Abschluss jeder Einheit war entweder Krafttraining oder freier Kampf, was die Trainingseinheit ziemlich intensiv macht.

Sonnenaufgang
Sanda Unterricht
Vor dem Eingang zum Tianmeng Shan Park
Abendessen
Kung fu Family
Besuch eines buddhistischen Tempels

Erleben der chinesischen Kultur und TCM

Der Schulleiter bietet viele Möglichkeiten, chinesische Kultur zu erleben. Es gibt abends nach dem Essen Kulturveranstaltungen, in denen er über verschiedene Themen spricht – Chinesisch, Kung Fu, traditionelle Medizin und mehr. Er hat auch Freunde, darunter einen angesehenen chinesischen Arzt, der Behandlungen für die Schüler anbietet. Wir machen regelmäßig Wanderungen zum Tianmeng-Berg, was ein besonders schöner Tagesausflug ist. Es gibt auch Ausflüge zu Tempeln, zu chinesischen Ärzten oder anderen Orten. Einmal nahmen wir an einer Teezeremonie mit buddhistischen Mönchen teil – das war ein wirklich besonderes Erlebnis.

Babysitten und Unterrichten

Der Schulleiter und seine Familie wohnen an der Schule. Er hat zwei Söhne, noch recht klein, und manche Schüler, wie auch ich, kümmern sich tagsüber etwas um sie: spielen, ihnen Sprachen beibringen etc. In Kombination mit Training und Sommerhitze fühlte ich mich oft erschöpft, doch mit der Zeit wurde ich entspannter und genoß auch das Spielen mit ihnen, Fangen und Verstecken spielen und versuchen Ihnen etwas Deutsch und Englisch beizubringen.

Die Tianmeng „Kung Fu Family“

In so einer Schule kommen Menschen und gehen wieder, und ich habe viele wundervolle und nette Menschen kennen gelernt.  Wir unterstützten uns gegenseitig und tauschten Lebensgeschichten aus. Mit einigen habe ich immer noch Kontakt. Und natürlich die Familie des Schulleiters, Wang Shifu und die Köchin, die auch eine gute Freundin geworden ist. Beim Kochen mit ihr lernte ich Baozi und Jiaozi zuzubereiten – eine wunderbare Erfahrung.

Die Zeit am Tianmeng Shan hat mich persönlich wachsen lassen. Ich sehe vieles gelassener, fühle mich stärker und stabiler. Danke an alle Meister, die mich in dieser Zeit unterrichtet haben! Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung.

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